Abt. III: ABWL und Finanzwirtschaft

Green and Sustainable Finance Cluster Germany

Kompetenzzentrum und Dialogplattform des Finanzsektors zur Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele.

Das Green and Sustainable Finance Cluster Germany (GSFC-Germany) wurde im November 2017 gegründet. Initiiert wurde es durch Prof. Dr. Henry Schäfer, Universität Stuttgart gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung. Auf der Grundlage einer Feasibility-Study der dem Lehrstuhl nahestehenden EccoWorks GmbH wurden die inhaltlichen Voraussetzungen für die Aufnahme der Arbeit des Clusters durchgeführt. Damit verfügt Deutschland erstmals gegenüber bereits bestehenden ähnlichen Initiativen in London, Paris, Luexemburg u.a. eine neue Stimme der Finanzwirtschaft, um Maßnahmen und Investitionen zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung und damit seiner internationalen Verpflichtungen aus dem Weltklimaschutzabkommen von Paris wirkungsvoll begleiten zu können.

1. Mission

Der Transformationsprozess zu einer „Green and Sustainable Economy“ bedarf passender, innovativer und skalierbarer Unterstützung durch die Finanzindustrie. Aufgrund komplexer Zusammenhänge globaler wirtschaftlicher Vorgänge ist es erforderlich, innovative Kräfte und Kompetenzen aus Finanzsektor, Anlegerkreisen, politischen Entscheidungsträgern und Zivilgesellschaft netzwerkartig zur Kooperation zu befähigen. Das SFCG stellt eine Organisation dar, die solche Aktivitäten verschiedener Akteure koordiniert, zusammenführt und damit Synergien hebt und hilft, diesen Transformationsprozess effizient und kostensenkend zu gestalten.

„Green and Sustainable Finance“ stellt einen Kernpunkt des Transformationsprozesses zu einem zukunftsfähigen globalen Wirtschaftssystem dar. Weder die Erreichung der „Sustainable Development Goals“ noch die Umsetzung der „Pariser Klimaschutzziele“ sind ohne einen grundlegenden Wandel im Rahmen der Grundstruktur nationaler und internationaler Kapitalallokationen zu realisieren. Vor diesem Hintergrund geht es nun um die Entwicklung anwendungsorientierter Konzepte zur Implementierung nachhaltiger Kriterien in den Geschäftsmodellen der verschiedenen Akteure des Finanzplatzes, um den Risiken der anstehenden Herausforderungen und verschärftem Wettbewerb proaktiv zu begegnen, aber vor allem die wirtschaftlichen Chancen eines solchen Wandels zu erkennen und zu nutzen. Dabei soll auch der spezifischen Akteursstruktur in Deutschland, die in Teilen stärker mittelständisch geprägt ist, Rechnung getragen werden.

Das SFCG verfolgt ein offenes Konzept. Es soll ein Netzwerk entstehen, in dem Expertise bezüglich Finanz-und Risikofragen gebündelt wird. Das SFCG soll als zentrale Ansprechstelle für nachhaltigkeits- und klimarelevante Fragen der Akteure innerhalb des Finanzsektors und darüber hinaus dienen. Dadurch sollen eine Stärkung der unterschiedlichen Green and Sustainable-Finance-Initiativen am Finanzplatz Deutschland und in Europa gefördert sowie bereits bestehende Impulse aufgenommen werden. Nationale Initiativen wie das Hub for Sustainable Finance und andere sollen ebenso in die Arbeit eingebunden werden wie europäische und internationale Expertengruppen.

2. Oberziele

Kompetenz: Die Mitglieder und Träger des SFCG positionieren das SFCG am Finanzplatz Frankfurt als Kompetenzzentrum und Dialogplattform des Finanzsektors zur Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele der deutschen Bundesregierung und die damit verbundenen europäische und internationale Verantwortung des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Der Finanzsektor wird dabei durch anwendungsorientierte Forschung begleitet.

Netzwerkbildung und Effizienz: Das SFCG ermöglicht die Bündelung, Verfügbarkeit und den Austausch vorhandener Kompetenzen und fachlicher Ressourcen im Finanz-und Risikomanagement von Green and Sustainable Finance. Ferner fördert es die Erhebung innovativer Daten, welche die quantitative Verknüpfung der klassischen Finanzkennzahlen mit Nachhaltigkeitsaspekten vorantreibt und verbreitert den Dialog rund um Green and Sustainable Finance durch die Einbeziehung aller relevanter Anspruchsgruppen, wie beispielsweise öffentliche und zivilgesellschaftliche, ebenso wie regulatorische und politische Akteure.

Mehrwert: Es sollen konkrete Kostenvorteile und Effizienzsteigerungen der Akteure durch die Nutzen von Synergieeffekte im Rahmen anstehender Standardisierungsprozesse, durch die Schaffung einer breiten Informationsbasis und durch den Austausch von Best-Practices generiert werden. Des Weiteren ist die Identifikation und Einbeziehung neuer Schnittfelder im Bereich Green und Sustainable Finance ein ebenso prozessual angelegtes Ziel wie die Etablierung gemeinsamer Transparenz- und Kommunikationsstrukturen.

3. Kernthemen und Aufgaben eines Clusters

Schaffung von Transparenz: Bestehende Produkte, Chancen und Instrumente sollen durch die Arbeit des Clusters als zentrale Plattform transparent und öffentlich gemacht werden. Transparenz als ein Kernthema ist grundlegend für das Verständnis von Green und Sustainable Finance bei den Akteuren des Finanzsektors sowie der breiten Öffentlichkeit. Die Darstellung der mit dem Themenfeld verknüpften Risiken und deren Folgen für Finanzinstitute mit Blick auf entsprechende Regulatorik, physische Risiken – wie beispielsweise Schäden infolge des Klimawandels – und damit verbundene Haftungsfragen ist für eine Positionierung des SFCG also von besonderer Bedeutung. Insoweit sollen die Arbeiten der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD; eine Initiative des Privatsektors, die den G20-Prozess begleitet) zu „Carbon Risks“ und deren Offenlegung Berücksichtigung finden. Damit eng verwoben ist die Lösung der Frage, wie eine tatsächlich realisierbare Reduzierung klimaschädlicher Einflüsse gemessen (Impact) und wie die Resilienz gegenüber dem Klimawandel befördert werden können.

Standardisierung und Zertifizierung: Bereits bestehende Ansätze im Bereich der Standardisierung von Green and Sustainable Finance-Produkten und Kriterien (bspw.: Green Bond Príncipes) sollen erfasst und hinsichtlich ihrer Eignung für die Standardsetzung in unterschiedlichen Marktbereichen bewertet werden. Werden Lücken identifiziert, sollen in enger Kooperation mit Forschungseinrichtungen Vorschläge zu deren Überwindung entwickelt werden. Ziel ist die Entwicklung gemeinsamer Ansätze zur Konkretisierung und Operationalisierung (Beispiel: mit welchen Methoden und Messgrößen kann die „Unter-2-Grad-Kompatibilität“ von Finanzierungen bewertet werden?). Dabei wird eine enge Zusammenarbeit mit Ratingagenturen, Wirtschaftsprüfungs-und Beratungsgesellschaften als vorteilhaft angesehen.

Forschung, Wissensvermittlung und Kommunikation: Ein Hauptziel der Anstrengungen mit Blick auf den gemeinsamen Wissensaustausch ist die Entwicklung praxisbezogener Kriterien für kapitalmarkt-, immobilienbasierte und bilanzwirksame Green und Sustainable Finance Produkte sowie die Messbarkeit von Klimarisiken im Finanzsektor, um künftige Regulierungsbestrebungen mitprägen zu können (wie z. B. für längere Zeithorizonte eintreten und Berichtspflichten für Green und Sustainable Finance definieren). Dabei sind überregionale und internationale Kooperationen unverzichtbar (Zusammenarbeit mit nationalen, internationalen sowie EU-Arbeitsgruppen und Initiativen).

Neben dem unabdingbaren Know-how-Transfer zur Erreichung von Synergien ist auch eine professionelle Außendarstellung entscheidend für den Erfolg des SFCF. Hierzu zählen vor allem öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen wie Vortragsreihen, Präsentationen, Work-Shops sowie Seminare und praktische Studien.