Neue Publikation der Abteilung VIII im European Journal of Information Systems zu Digitalen Plattformen und Capability-based View of the Firm

2. Juni 2026 /

Studie zur Entwicklung einer Platform Ecosystem Deployment Capability von etablierten (Incumbent) Unternehmen im Enterprise IoT im renommierten European Journal of Information Systems veröffentlicht.

Wie können etablierte Unternehmen erfolgreich digitale Plattformen aufbauen um im Wettbewerb gegen Platform-Native-Unternehmen zu bestehen? Wie funktioniert das Decision-Making unter Unsicherheit und Komplexität in dynamischen Ökosystemen? Diese Frage adressiert die neue wissenschaftliche Publikation der Abteilung VIII: Wirtschaftsinformatik II. Der Beitrag mit dem Titel „Different mechanisms for the same capability: understanding the platform ecosystem deployment capability“ wurde im renommierten European Journal of Information Systems veröffentlicht. Das Journal hat ein A-Ranking nach VHB und ist Teil des AIS Senior Scholars’ Basket of Journals. Damit zählt es zu den führenden internationalen Zeitschriften der Wirtschaftsinformatik.

Inhaltlich untersucht das Paper, wie etablierte Unternehmen eine sogenannte Platform Ecosystem Deployment Capability auf den Markt bringen. Damit adressiert die Studie eine zentrale Herausforderung der digitalen Transformation: den Aufbau und die Steuerung von Plattformökosystemen unter Bedingungen hoher Unsicherheit, Komplexität und dynamischer Marktveränderungen.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass Unternehmen bei der Entwicklung dieser Fähigkeit verschiedene Mechanismen kombinieren. Diese Mechanismen sind Routinen, die auf strukturierten Analysen basieren und Heuristiken, also Daumenregeln, die schnelle Entscheidungen unter Unsicherheit ermöglichen. Besonders interessant ist dabei, dass Heuristiken Routinen moderieren können. Die Studie zeigt drei unterschiedliche Moderationseffekte: Acceleration, also die Beschleunigung von Routinen, Bypassing, also das gezielte Umgehen bestehender Routinen, sowie Deceleration, also die bewusste Verlangsamung von Entscheidungs- und Handlungsprozessen.

Damit leistet die Studie einen wichtigen Beitrag zur Forschung zu digitalen Plattformen, Plattformökosystemen und organisationalen Fähigkeiten. Sie zeigt, dass erfolgreiche Plattformtransformation nicht allein eine technologische Herausforderung ist, sondern wesentlich davon abhängt, wie Unternehmen Entscheidungen unter Unsicherheit treffen, Wissen strukturieren und flexibel auf neue Anforderungen im Ökosystem reagieren. Zudem zeigt die Studie, dass traditionelle Unternehmen durchaus Wettbewerbsvorteile im dynamischen Plattformwettbewerb haben können.

Auch für die Praxis bietet die Arbeit relevante Erkenntnisse. Manager*innen in etablierten Unternehmen erhalten Orientierung, wie sie beim Aufbau digitaler Plattformökosysteme eine Balance zwischen strukturierten Prozessen und flexiblen Entscheidungsregeln herstellen können. Dies ist insbesondere in B2B- und Enterprise-IoT-Kontexten von Bedeutung, in denen Plattformanbieter mit komplexen Partnerstrukturen, technologischer Unsicherheit und sich wandelnden Kundenanforderungen umgehen müssen.

Der Artikel wurde von Dr. Dimitri Petrik in Zusammenarbeit mit Prof. Yevgen Bogodistov vom MCI Innsbruck und Dr. Christian Marheine von der Universität St. Galen verfasst. Die Abteilung Wirtschaftsinformatik II gratuliert den Autoren herzlich zu dieser erfolgreichen Publikation!

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