Mit dem Beitrag „Digital product passports“ konnte die Abteilung VIII: Wirtschaftsinformatik II im Journal Electronic Markets ein neues Fundamentals Paper veröffentlichen. Der Open-Access-Artikel ordnet das von der Nachhaltigkeitsregulatorik geförderte datengetriebene Konzept der digitalen Produktpässe grundlegend aus einer wirtschaftsinformatischen Perspektive ein.
Digitale Produktpässe (engl.: Digital Product Passports, DPPs) gewinnen derzeit stark an Bedeutung, nicht zuletzt, weil sie im Rahmen der europäischen Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) für zahlreiche Produktkategorien wie z. B. Batterien, Elektronik oder Textilien verpflichtend werden sollen. DPPs versteht das Autorenteam als digitale Artefakte, die wesentliche Produktdaten über Organisationsgrenzen hinweg erfassen und verfügbar machen. Damit können sie Transparenz in Wertschöpfungsketten und Ökosystemen erhöhen, datenbasierte Entscheidungen über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg unterstützen und neue Potenziale für nachhaltige Wertschöpfung eröffnen.
Insofern adressiert das Paper inhaltlich eine zentrale Herausforderung des Themenfelds: Obwohl DPPs in Wissenschaft, Politik und Praxis stark an Aufmerksamkeit gewinnen, fehlen bislang noch ein konsolidiertes Begriffsverständnis und eine klare konzeptionelle Einordnung. Genau hier setzt der Beitrag an und grenzt DPPs von ähnlichen Konzepten wie z. B. den digitalen Zwillingen (digital twins) ab. Außerdem wird im Fundamentals-Beitrag eine Definition der DPPs abgeleitet, ein konzeptionelles Modell zu den wesentlichen konstituierenden Elementen der DPPs erarbeitet und anhand eines demonstrativen Szenarios veranschaulicht.
Besonders hervorzuheben ist, dass der Beitrag digitale Produktpässe nicht nur als technisches Artefakt betrachtet, sondern sie explizit als Gegenstand der Wirtschaftsinformatik und interorganisationaler Datenökosysteme konzeptualisiert. Mit dieser Kernbotschaft endet der Artikel mit einer Forschungsagenda aus Sicht der Wirtschaftsinformatik. Das Paper leistet damit einen wichtigen Grundlagenbeitrag für die weitere Forschung zu DPPs und schafft zugleich eine strukturierte Basis für deren Verständnis, Gestaltung, Implementierung und Management.
Der Artikel „Digital product passports“ wurde von Dimitri Petrik (Abt. VIII und GSaME) gemeinsam mit Gero Strobel (Vertretungsprofessor an der Abt. VII), Thorsten Schoormann (Universität Roskilde), Frederik Möller (TU Braunschweig), Christoph Hoppe-Ludwig (Fraunhfoer ISST) und Virginia Springer (University of Sydney Business School) verfasst. Die Abteilung VIII gratuliert den Autorinnen und Autoren herzlich zu dieser erfolgreichen Publikation.