Forschungsleitbild & Forschungsstrategie

Der IT-Markt gehört heute zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren in der industrialisierten Welt. Innovationen wie das Software as a Service und Business as a Service führen dabei zunehmend zu einer Konvergenz von betriebswirtschaftlichen und technologischen Aspekten, sodass in Zukunft vielmehr von einem Markt für softwareintensive Systeme und Dienstleistungen gesprochen werden muss. Wir fokussieren uns dabei auf Unternehmenssoftware, jedoch ohne das gesamte sozio-technische und softwareintensive System aus den Augen zu verlieren. Im Mittelpunkt unserer Forschungsinteressen steht also die Gesamtheit aller computergestützten Administrations-, Dispositions-, Planungs- und Kontrollsysteme im Unternehmen und öffentlicher Verwaltung.  


 


Ein (IT-)Markt bezeichnet ganz allgemein den Ort des Zusammentreffens von Angebot und Nachfrage. Entsprechend betrachten wir Unternehmenssoftware sowohl aus der Anbieter- (Hersteller von Unternehmenssoftware) als auch aus der Anwendersicht (Unternehmen bzw. öffentliche Verwaltung, die Unternehmenssoftware einsetzen). Wir legen bei diesen beiden Sichten auf Unternehmenssoftware jeweils ein zentrales Forschungsleitbild zugrunde:

  • Forschungsleitbild aus der Anbietersicht: Wir gehen davon aus, dass die Konzeption, Entwicklung und Vermarktung von Unternehmenssoftware aufgrund des besonderen Charakters der Softwareproduktion und der Software an sich eine eigene spezielle Betriebswirtschaftslehre erfordert – eine Betriebswirtschaftslehre der Softwareunternehmung. Denn Software weist besondere ökonomische Eigenschaften wie bspw. Nichtrivalität im Konsum, unendliche Ausdehnbarkeit, Nichträumlichkeit und schwache Kostenbindung des Produktpreises auf. Desweiteren ist die Softwareproduktion als ein nicht-deterministischer intellektueller Prozess zu begreifen, sodass die interne und externe Supply Chain einer Softwareunternehmung nicht der einer Industrie- oder Dienstleistungsunternehmung entspricht. Bestehende, nicht-softwarespezifische betriebswirtschaftliche Konzepte können daher für die Softwareentwicklung nicht ohne Weiteres übernommen werden.
  • Forschungsleitbild aus der Anwendersicht: Wir gehen davon aus, dass das Management des Produktionsfaktors Unternehmenssoftware grundsätzlich mit der Ambition erfolgen muss, Unternehmenssoftware als Enabler für neue Unternehmensstrategien, Geschäftsmodelle, Geschäftsprozesse, Formen der Zusammenarbeit etc. anzusehen. Wir sehen in diesem Zusammenhang den Anspruch an Unternehmenssoftware, und auch den Anspruch der Wirtschaftsinformatik im Allgemeinen, weit über die Erzielung von Rationalisierungserfolgen auf operationaler Ebene hinaus. Unternehmenssoftware ist aus unserer Sicht ein strategisch relevanter Produktionsfaktor, ein Enabler. Man denke hier bspw. an die herausragende Rolle von Unternehmenssoftware bei der unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit in vernetzten industriellen Wertschöpfungssystemen.


Wir legen bei der Verfolgung unserer beiden Forschungsleitbilder eine Forschungsstrategie zugrunde, die dem Paradigma einer gestaltungsorientierten Wirtschaftsinformatik entspricht. D.h. wir sind bei unseren Forschungsvorhaben grundsätzlich bestrebt, über die Entdeckung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen hinaus auch konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Unsere Forschungsstrategie basiert auf zwei Säulen:

  • Theoretisch fundiert und zugleich praxisorientiert: Den Ausgangspunkt für die Gestaltung bildet stets die Verständnisgenerierung von Sachverhalten im zugrunde liegenden Realweltausschnitt. Darauf aufbauend leiten wir Handlungsempfehlungen ab, um ein bislang unzureichend geklärtes Realweltproblem zu lösen. Auf diese Weise erfolgt die Theoriebildung nicht a priori losgelöst von der Ableitung der Handlungsempfehlungen und umgekehrt.
  • Differenziert: Wir verfolgen den Kontingenzansatz der Forschung, d. h. wir gehen davon aus, dass Handlungsempfehlungen ihre Wirkung immer in Abhängigkeit von der jeweiligen Bedingungssituation entfalten. Die Wirkung kann wiederum nur im Hinblick auf bestimmte Gestaltungsziele beurteilt werden. Nach unserem Verständnis kann es also keine verallgemeinerbaren optimalen Handlungsempfehlungen geben.